„Ein bisschen besser geht’s doch eigentlich immer“

03. März 2026 | Lesedauer: 8 Minuten
Interne Prozesse optimieren, Lösungen skalieren und das Ohr ganz nah an der Kundschaft haben: Wie die neue Einheit „Operative Exzellenz“ der Tochtergesellschaft Salzgitter Flachstahl GmbH die Performance der Salzgitter AG vorantreibt.
Welche Produkte liefern wir wann – und warum? Wo entstehen Planungsdefizite aufgrund falscher Grundlagendaten? Wie lange brauchen wir für einzelne Produktionsschritte? Und welche Restriktionen gibt es zwischen diesen Produktionsschritten? Wenn Friedrich Ellebrecht anfängt, sich mit einem Thema wie der Lieferperformance bei der Salzgitter Flachstahl auseinanderzusetzen, stellt er erstmal jede Menge Fragen. Er überprüft den Status quo der gesamten internen Wertschöpfungskette vom Produktionsstart bis zum Vertrieb. Tauscht sich aber auch mit der Kundschaft aus: Er will ganz genau herausfinden, wo diese der Schuh gerade besonders drückt. Und wie er ihnen helfen kann, ihre Ziele zu erreichen. Kurz: Wie kann die Salzgitter Flachstahl als größtes Tochterunternehmen der Salzgitter AG – und damit der gesamte Konzern – auf Basis dieser Erkenntnisse ihre Performance insgesamt steigern, etwa in Bereichen wie Liefertreue, Produktionseffizienz und Kundenzufriedenheit? „Mit unseren Analysen und Maßnahmen wollen wir uns so effizient wie möglich aufstellen, um unsere Kundschaft planbar, stabil und verlässlich zu beliefern“, sagt Ellebrecht.

Mehr als nur ein Effizienzprogramm
Seit Oktober 2025 ist der 48-Jährige Teil der neu gegründeten Abteilung Operative Exzellenz (OE). Das derzeit fünfköpfige Team versteht sich als „interne Unternehmensberatung plus“, wie Ellebrecht es formuliert. Sein Anspruch – im Unterschied zu externen Consulting-Teams: Herausforderungen nicht nur analysieren, theoretische Lösungen vorschlagen und dann weiterziehen. Sondern die Belegschaft nach der Konzeptionsphase auch bei der Umsetzung der entwickelten Maßnahmen unterstützen. Die Mitglieder des kleinen, erfahrenen OE-Teams haben jahrzehntelange Expertise innerhalb und außerhalb der Salzgitter AG gesammelt – ob im Kontakt mit der Kundschaft, in der Produktion, im Bereich Energie und der Projektsteuerung. Sie kommen immer dann ins Spiel, wenn Fragestellungen mehrere Bereiche betreffen und Lösungen sich bereichsübergreifend skalieren lassen.
Formal ist der neue Bereich als Stabsabteilung direkt bei der Geschäftsführung der Salzgitter Flachstahl verankert, aber gleichzeitig in die konzernweite Verbesserungsarchitektur eingebunden – etwa in das Ergebnisverbesserungsprogramm P28. „Operative Exzellenz ist weit mehr als ein zeitlich begrenztes Performance-Programm“, führt Ellebrecht aus. „Das neue Team wirkt als bereichsübergreifender Enabler. Es baut auf bestehenden Strukturen auf und hilft, Prioritäten zu klären und Geschwindigkeit aufzunehmen, um Prozesse im Sinne unserer Kundschaft in Summe zu optimieren und unser Unternehmen damit zukunftsfähig aufzustellen. Letztendlich wollen wir durch die nachhaltige Verbesserung unserer Prozesse, Abläufe und Strukturen das Maximum rausholen.“
Kosteneffekte und Kundenmehrwert kombinieren
Impulse für seine Arbeit bekommt das Team auch aus dem konzerninternen Kreis der Führungs- und Leitungskräfte. Mit ihnen gleicht das Team monatlich die wichtigsten Felder ab, die die operative Exzellenz der Salzgitter AG prägen und einen Blick des OE-Teams lohnen könnten. Das Spektrum reicht von Qualitätsstabilitäts-Maßnahmen, um Ausfallraten zu senken oder Anlagen zu justieren, über Lieferperformance bis zu Absatz- und Marktthemen. Mit seinen Überlegungen strebt das Team OE stets nach einem doppelten Nutzen: Es will einerseits interne Kosteneffekte, andererseits einen spürbaren Mehrwert für die Kundschaft erzielen, etwa durch höhere Termintreue. „Exzellenz bedeutet für uns, Vertrauen aufzubauen und Verlässlichkeit über alle Bereiche zu garantieren – intern und extern“, sagt Ellebrecht. Über ein konzernweit etabliertes Trackingsystem kann er mit seinem Kollegium jederzeit messbar nachverfolgen, ob das OE-Team seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird – oder ob eine Korrektur oder Nachsteuerung erforderlich ist.
Was mich an der Rolle reizt
1. Die nötige Zeit zu haben für Dinge, die strukturell für die Zukunftsfähigkeit der Salzgitter AG unverzichtbar sind.
2. Ressortübergreifende Herausforderungen besser beleuchten zu können. Nicht nur in seiner eigenen kleinen Bubble zu wirken, sondern sich über den Tellerrand hinweg austauschen, Synergien erkennen und heben zu können.
3. Über die neue Abteilung noch mal wirkungsvoller als bisher dazu beitragen zu können, die Salzgitter AG trotz schwieriger Rahmenbedingungen in die richtige Richtung zu bewegen.
Weichen stellen für die Zukunft
Ein Anspruch, der laufend Anpassungen, saubere Prioritäten und ein hohes Tempo verlangt – und das über viele weitere Jahre. „Wir wollen jetzt die übergreifenden Weichen für die Zukunftsfähigkeit der Salzgitter AG stellen“, sagt Ellebrecht. Also auf Dauer ein Level erreichen, auf dem sich das Team Operational Excellence wieder überflüssig macht? „Im Idealfall gelingt uns das“, sagt Ellebrecht. „Aber bleiben wir realistisch: Ein bisschen besser geht’s doch eigentlich immer. An seiner Performance kann man ständig weiterarbeiten.“

Zur Person
Friedrich Ellebrecht, 48, stieg nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld und Purdue/West Lafayette (USA) 2004 über ein Traineeship bei der Salzgitter AG ein. Nach Stationen in der Logistik und im Automobilbereich des Konzerns übernahm Ellebrecht 2019 die Leitung des Verkaufsbereichs Kaltwalzer der Salzgitter Flachstahl GmbH. Seit 1. Oktober 2025 ist Ellebrecht verantwortlich für das Thema Kundschaft im neu gegründeten Team Operative Exzellenz.
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